Die „Macht der Sportwetten“: Gefährlich und kaum reguliert

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Experten zum Thema Suchtforscher kritisieren das: Würde an vielen prominenten Stellen Werbung für Sportwetten zu sehen sein, entstehe der Eindruck, es handele sich um eine normale Freizeitaktivität. Tobias Hayer, Experte für problematisches Glücksspielverhalten an der Universität Bremen, sagt: "Bei Online-Live-Wetten gehen wir von einer erhöhten Suchtgefahr aus als im Offline-Bereich." Sportwetten haben im Vergleich zu einem Glücksspielautomaten zudem die Besonderheit, dass sie den Eindruck erwecken können, durch sie bei vermeintlich hoher Sport-Expertise leichter zu Geld zu kommen. Wer von sich denkt, sich besonders gut zum Beispiel mit Fußball auszukennen, könnte davon ausgehen, deutlich höhere Chancen auf den Gewinn zu haben als solche, die sich nicht auskennen - was aber nicht der Fall ist. Auch dieses Phänomen könnte das Risiko steigern, eine Spielsucht zu fördern. Ein prominenter Kritiker der Liberalisierung der Sportwetten ist der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer.

Tipico Quotenboost: Wie funktioniert der Quotenboost?

Fast jeder Verein der Fußball-Bundesliga, die Deutsche Fußball-Liga und der Deutsche Fußball-Bund werben in irgendeiner Form für Anbieter von Sportwetten. Der Wettanbieter Tipico wird demnächst zudem offizieller Sponsor der ARD-Sportschau. Die ARD begründet das mit der veränderten rechtlichen Situation, nach der Sportwetten inzwischen erlaubt sind. Außerdem ist Tipico ein Premium-Partner der Fußball-Bundesliga. Deshalb hätte der Wettanbieter ein Vorzugsrecht bezüglich des Sportschau-Sponsorings, dem könne sich die ARD nicht entziehen. Er sagt, die Anbieter der Sportwetten seien mitverantwortlich für Spielsucht, dementsprechend könnte eine massive Werbung dafür auch ein Suchtverhalten fördern. Besonders in der Kritik von Ulrich Mäurer steht aktuell die Bild-Zeitung und der Axel-Springer-Verlag. Die Bild-Zeitung betreibt gemeinsam mit einem Glücksspielunternehmen ein Sportwetten-Angebot. Der Vorwurf von Ulrich Mäurer: In der Zeitung werde wohlwollend über Sportwetten berichtet. Das sei faktisch Werbung für das eigene Wettangebot. Die Bild-Zeitung würde die Leser damit dem Risiko der Spielsucht aussetzen. Mäurer hat sich an den Presserat gewandt, um darauf hinzuweisen. Er schlägt vor, den Pressekodex zu erweitern und bet online sportwetten eugh auf positive Berichte über Sportwetten in Zukunft zu verzichten.

Jahr Werbeslogan Hauptkommunikationskanal Besonderheit
2010-2014 "Die Wette lebt" TV & Print Etablierung der Marke im deutschen Markt
2015-2018 "Dein Spiel. Deine Wette." TV & Online-Video Fokus auf Personalisierung und Mobile App
2019-2021 "Tipico - Dein Sportwettenanbieter" Social Media & Influencer Stärkere Integration von Live-Wetten
2022-heute "Verantwortungsvoll gewinnen" Omnichannel (TV, Online, OOH) Starker Fokus auf Responsible Gambling

Die Bild-Zeitung weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher sagte, es würde verantwortungsvoll berichtet.

Kanal Zielgruppe Typische Botschaft Budgetanteil (ca.)
Fernsehwerbung Breite Masse, Sportfans Markenbekanntheit, Live-Wetten 40%
Online-Video (YouTube, etc.) Jüngere, digitale Zielgruppe App-Features, Quoten-Boost 25%
Social Media (Facebook, Instagram) 18-35 Jahre, männlich Community, Aktionsangebote 20%
Außenwerbung (Stadien, Plakate) Lokal gebundene Sportfans Präsenz bei Sportevents 10%
Sponsoring (Vereine, Events) Emotionale Bindung an Clubs Markenassoziation mit Sport 5%

In den redaktionellen Beiträgen würde zudem auf die Risiken von Glücksspiel hingewiesen. Dass die Bundesländer, die für den Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich sind, an den aktuellen Regeln etwas ändern, gilt als unwahrscheinlich.

Warum gerade Kahn? – Image, Werte, Wirkung

Die Werbung erzeuge „natürlich einen gewissen Suchtdruck“. Im Zusammenhang mit Wettsüchtigen spricht Koller vom Auslösen eines „Cravings“. Der englische Begriff meint das starke Verlangen bei Suchtkranken, das durch gewisse äußere Faktoren (sogenannte Trigger) beeinflusst wird. „Die Werbung schafft einen zusätzlichen Anreiz zum Spielen.“ Blienert wünscht sich „natürlich so wenig Werbung für Sportwetten wie möglich, am besten überhaupt keine.“ Es sei „eine ganz schlechte Entwicklung“, dass Werbung und Sponsoring im Profifußball in den letzten Jahren eine so dominante Rolle eingenommen haben. „Man fragt sich ja schon fast, was eigentlich im Vordergrund steht, der Sport oder das große Wettbusiness.“ Er fordert daher eine „vernünftige Werberegulierung für Sportwetten“.

Quotenboost bei Tipico: Beispiel

Konkret: ein Verbot der Fernseh-, Rundfunk- und Internetwerbung vor 21 Uhr, wie dies für Onlinecasinos der Fall ist. „Damit würde zumindest der Jugendschutz ein Stück weit gestärkt.“ Tobias Blümel war 16, als er das erste Mal getippt hat, offiziell erlaubt sind Sportwetten erst ab dem Erwachsenenalter. Wie viel er verloren hat, kann er nicht genau sagen. „Aber ich habe im Millionenbereich gespielt, also allein vom Umsatz her.“ Zuständig für den Glücksspielstaatsvertrag sind die Länder. Die Innenministerkonferenz beschäftigte sich im Dezember mit Sportwetten-Werbung.

Kritiker monieren, dass Gefährdete jetzt auch noch Werbung für ihre Sucht sehen müssen

Bremens Senator Mäurer wollte ein Verbot erwirken – scheiterte aber an der Position seiner Amtskollegen. Die aktuelle Rechtslage bezeichnet der SPD-Politiker als schlechten Kompromiss. „Die Regelungen gehen nicht weit genug, den Wettanbietern müssen deutlichere Grenzen gesetzt werden.“ Mäurer fordert daher ein „radikales Umdenken“. „Wenn wir erst mal ein paar Millionen Spielsüchtige in Deutschland haben, ist es zu spät.“ Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU, Stephan Mayer, schlägt andere Töne an – und spricht von einem „langwierig verhandelten, fairen und guten Kompromiss“. Ähnlich argumentiert sein FDP-Amtskollege, Philipp Hartewig. Sie sind sich beim Thema nicht einig. Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de Marvin Wildhage berichtet auf YouTube: Influencer warben für angeblich manipulierte Sportwetten und lockten ihre Follower so in eine Betrugs-Masche.

Vorgabe Umsetzung in Tipico-Werbung Platzierung Beispieltext
Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Pflicht-Hinweise in Audiospur und Bild Am Spot-Ende, Untertitel "Spiel verantwortungsvoll. Ab 18."
Werbeverbot für Minderjährige Darstellung nur von Erwachsenen, Alterscheck Inhalt der Spots, Zielgruppensteuerung Keine Darstellung von unter 18-Jährigen
Hinweis auf Spielsuchtgefahr Einblendung der Hilfe-Hotline Bildschirmeinblendung, Website-Footer "Hilfe unter 0800 1372700 (kostenlos)"
Verbot irreführender Werbung Realistische Gewinndarstellung, "kann süchtig machen" Integriert in Claims und Botschaften "Gewinnen ist nicht garantiert."

Berlin - In seinem neuesten YouTube-Video geht Marvin Wildhage (28) einem brisanten Betrugsfall nach, bei dem Influencer für vermeintlich manipulierte Tipico-Wetten warben und ihre Follower so um viel Geld gebracht wurden. Das Versprechen: Man erhalte vorab die Ergebnisse von beeinflussten Fußballspielen im Ausland und könne dann durch gezielte Wetten auf Tipico viel Geld verdienen. Für 400 Euro sollten die Follower in Telegram-Gruppen Zugang zu einem Ergebnis bekommen. Wenn man gleich zwei vermeintlich richtige Resultate haben wollte, mussten nur 550 Euro gezahlt werden. Nach dem angeblichen Wettgewinn folgte der nächste Schritt.

Glücksspielverband klagt gegen Tipico

Unterstützung erhalten sie von Vereinen aus den unteren Ligen, etwa vom Drittligisten Forest Green bet sportwetten anbieter bester bonus Rovers, der als erster Klub in England Sportwetten-Werbung im Stadion verbot. Die einflussreichen Klubs schweigen hingegen – ebenso wie der von Sky Bet gesponsorte Verband, der zwar zum „sicheren Glücksspiel“ aufruft und Kampagnen startet – sich aber gleichzeitig offenbar nicht die Einnahmen seines wichtigen Partners entgehen lassen will. Einnahmen, von denen hierzulande auch der deutsche Verband profitiert. Eine Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA an die DFL blieb unbeantwortet. In Richtung DFL, vor allem aber an die Adresse der Politik, zeigt das neugegründete Bündnis die „Rote Karte für Sportwetten-Werbung“.

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Sie hätte mit den propagierten Werten des populärsten Sports der Welt nicht zu tun. „Das Geschäftsmodell beruht darauf, Menschen zum Wetten zu verleiten und daraus Geld zu machen.“ Das weiß auch Ex-Zocker Blümel: Zur „Macht der Sportwetten“ sagt er: „Das muss einfach eingedämmt werden.“ Bei Sportwetten gewinnen in erster Linie die Anbieter. Gerade im Profi-Fußball wird massiv dafür geworden. An vielen Stellen ist inzwischen Werbung für Sportwetten zu sehen, zum Beispiel auf Banden in Fußballstadien, im Netz und Zeitungen. Wettbüros sind in vielen Städten in Deutschland in zentralen Lagen vertreten. Für die Auszahlung sollte ein prozentualer Anteil des Gewinns überwiesen werden. Das waren oft mehrere hundert bis tausend Euro. Doch es verlief anders als erwartet, wie die Betrugsopfer in Marvins Video berichten: Nach der Überweisung wurde der Kontakt plötzlich abgebrochen, der Chat gelöscht und die Betroffenen blockiert. Von dem versprochenen Gewinn fehlte jede Spur. "Wir haben von dieser Geschichte erst aus der Presse erfahren.

  • Einsatz von Hashtags wie #Tipico oder #Wettsieg in sozialen Medien
  • Werbung für Sportwetten als unterhaltsame Begleitung zum Spiel
  • Kampagnen, die auf den Gemeinschaftsaspekt ("Tipprunde") setzen
  • Gezielte Ansprache von jungen, sportbegeisterten Erwachsenen
  • Integrierte Wettmöglichkeiten in Livetickern von Sport-Apps

Bereits der bloße Verdacht auf eine mögliche Unregelmäßigkeit führt dazu, dass bei uns und bei unseren Integritätspartnern sofort mehrere Überwachungssysteme anschlagen und betroffene Wetten augenblicklich neutralisiert und aus dem Programm genommen werden.

Der Launch der Kampagne

Er bewertet den Glückspielstaatsvertrag als „sinnvollen Schritt in die richtige Richtung“. Der Jugendschutz müsse aber ebenso betrachtet werden, wie die Suchtprävention und die Eindämmung der Schwarzmarkt-Kriminalität. Die FDP sieht die Debatte auch aus einer ökonomischen Perspektive. Ein Teil der Einnahmen aus Sportwetten müsse „weiterhin zur Förderung öffentlicher und steuerbegünstigter Zwecke verwendet werden.“ Würde man Glücksspiel-Werbung weiter regulieren, gingen dem Staat Steuereinnahmen der Wettanbieter verloren. „Sportwettenanbieter führen nach eigenen Angaben gemäß Rennwett- und Lotteriegesetz Sportwettsteuern in Deutschland ab“, erklärt Hartewig.

Aktive Spieler oder Funktionäre wie Oliver Kahn dürfen nicht mehr für die Wettanbieter werben

2021 seien das 470 Millionen Euro gewesen. Der Grünen-Politiker Krämer wiederum will die Werbung regulieren. Er kritisiert die Fernsehclips am Rande von Fußballspielen als „oftmals sehr martialisch“ und „in höchstem Maße manipulativ“. Krämer ist Mitglied im Sportausschuss und sagte unserer Redaktion: „Die Zunahme der Werbung für Sportwetten ist höchst problematisch und sollte von der Politik regulierend angegangen werden.“ Er nimmt neben den Ländern auch die Vereine in die Pflicht und nennt die Selbstverpflichtung auf den Verzicht von Sportwetten-Werbung als denkbare Option. „Das wäre eine gute Lösung, weil die Vereine und Verbände ihrer gesellschaftlichen Verantwortung dadurch gerecht würden.“ Interessant ist der Blick in andere Länder, wo es beide Extreme gibt.

ExklusivGlücksspiel:Verzockt und eingeklagt

In Italien und Spanien gelten Werbeverbote für Sportwetten im Fernsehen. In den Niederlanden, Belgien und Dänemark diskutiert die Politik derzeit über entsprechende Verbote. In England wiederum gehört die Konfrontation mit Wettanbietern zum Fußballschauen dazu. Premier-League-Klubs wie West Ham United oder der FC Southampton laufen mit einem Wettanbieter als Trikotsponsor auf. Faninitiativen wie die Coalition Against Gambling Ads (zu Deutsch: Gemeinschaft gegen Glücksspielwerbung) wollen das ändern. Die finanziell Hauptgeschädigten bei Spielmanipulation sind ja die Anbieter, die betrügerische Gewinne auszahlen müssten. Dass sich hier Menschen, die ganz offen Geld in angeblichen Sportbetrug investieren, als Opfer darstellen, ist für uns als Sportwettenanbieter und Sportfans völlig unverständlich", teilte Matthias Folkmann, Leiter der Unternehmenskommunikation von Tipico, auf Nachfrage mit. Viele Menschen sollen Opfer des Betrugs geworden sein und dadurch und bis zu mehrere tausend Euro verloren haben.

  • Social-Media-Kampagnen mit kurzen, actionreichen Clips
  • Angebote für Neukunden wie "100% Einzahlungsbonus" oder "Wett-Credit"
  • Betonung der einfachen Bedienung der Wett-App
  • Werbung für spezielle Aktionen zu Großereignissen wie der Champions League

Bekannte Influencer wurden als Werbefiguren genutzt,die angeblich selbst hohe Gewinne damit erzielt hatten, um ahnungslose User in die Falle zu locken.